Wer ist Ernie Poodle?

Ernie Poodle habe ich erst kennengelernt, nachdem wir schon zwei Jahre lang in Berlin im selben Haus gelebt hatten. Er war ein verschlossener Typ, den es Mühe kostete, im Treppenhaus zu grüßen, und ich erfuhr erst durch Nachbarn, dass er wie ich aus Amerika kam. Er lebte zur Untermiete bei einer geschiedenen Mutter, Frau Schmal, und ihrer jungen Tochter Conni.

Er verdiente sein Geld mit Übersetzungen von IT-, Geschäfts- und Rechtstexten ins Englische. Aber in seiner Freizeit schrieb er. Er sprach nie darüber, selbst Frau Schmal wusste nicht, wie viel oder was er schrieb (Conni wusste mehr).

Als er 2010 an einem Herzinfarkt starb — er war 56 und hatte ein Gewichtsproblem —, fand man unter seinen Habseligkeiten stapelweise fertige, unfertige und halbfertige Texte: ein Dutzend Romane, Hunderte Kurzgeschichten (sehr kurz, meist nur ein paar Seiten lang).

Sein Stil ist minimalistisch — einfach und umgangssprachlich, vielleicht sogar anti-literarisch —, aber die Geschichten selbst sind alles andere als einfach. Das Wort „bizarr“ kommt einem in den Sinn, auch „rätselhaft“ (siehe „Was ist Weirdcore?“), manchmal auch „Nonsens“ und in manchen Fällen sogar „pornographisch“.

Die Schmals traten an mich heran (wir lebten schon lange nicht mehr im selben Haus) — ich sollte für die besten Texte einen Verlag finden. Aber mir war klar, dass Print-Verlage an diesen Texten nicht interessiert wären. Da erinnerte ich mich an einen schon länger gehegten Plan: die Gründung eines Mikroverlags, und so beschlossen wir, die besten Ernie-Poodle-Texte (nach einer redaktionellen Bearbeitung) als E-Books herauszubringen.

Conni hatte ihn einmal gefragt, warum er sich nicht um eine Veröffentlichung seiner Schriften bemühe. Er wolle nicht, hatte er geantwortet, dass seine Familie in Cincinnati erfährt, was er macht und wo er lebt. Mehr sagte er nicht — aber das sagte schon alles. Wir beschlossen, seinen Wunsch nach Anonymität zu respektieren und ein Pseudonym zu verwenden, das wir in seinen Notizen fanden: „Ernie Poodle“.

Keine Sorge, Ernie, diese Arschlõcher in Cincinnati werden es nie erfahren.

- Eric T. Hansen

Ernies erste Buch: Ich hasse meine Katze

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