Von Ernie Poodle

Der Tag, an dem dir klar wird, dass du deine Katze hasst und sie einschläfern willst, ist ein Schock. Nie, nie werde dieser Tag kommen, hast du gedacht, und dann — wie aus heiterem Himmel — ist er da. Aber auch wenn es dich überrascht, hat es sich doch lange und gründlich angebahnt. Es ist eine Art unbewusste Entwicklung, die sich über viele Jahre der Katzenhaltung weitgehend unbemerkt vollzogen hat.

Zuerst ist sie nur ein flauschiges Kätzchen, dann ist sie ein flauschiges Kätzchen, das dir manchmal auf die Nerven geht und dazu erzogen werden muss, nicht das Sofa zu zerkratzen, nicht in die Ecke zu pinkeln usw. Dann kommt der Moment, in dem du denkst: Wenn sie lernen konnte, nicht in die Ecke zu pinkeln, wieso lernt sie dann nicht, das Sofa in Ruhe zu lassen? Doch flauschig und kuschelig ist sie immer noch, also denkst du: Ich gebe ihr noch eine Chance und noch eine und noch eine, und du merkst gar nicht, wie viele Chancen es gegeben hat, ohne dass sich ihre Gewohnheiten geändert hätten. Dann wirst du böse auf sie, es kommt zum Streit, und sie verspricht dir, sich zu ändern, und du denkst: Diesmal meint sie es ernst, und du verzeihst ihr und bist froh, dass du ihr verziehen hast.

Doch irgendwann merkst du, dass sie heimlich wieder angefangen hat, am Sofa zu kratzen, und du fragst dich: Werde ich hier bloß ausgenutzt? Mehr und mehr Details fallen dir auf: Immer, wenn du kurz davor stehst zu explodieren, will sie auf deinen Schoß und kuscheln und schnurren. Ist das Berechnung? Denkt sie: Diesen Typ hab ich voll unter Kontrolle? Denkt sie: Er tut alles für eine Handvoll Fell?

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